Tutorenprojekt
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Projekt Studentische Tutoren in der Studieneingangsphase
Antragsteller
- Dezernat 1, Zentrale Studienberatung, vertreten durch Thomas Klose
- Studierendenrat der FSU Jena, vertreten durch Yvette Hummel, Marcel Helwig
Ausgangslage
Im WS 2007/08 wurden an der Friedrich-Schiller-Universität Jena die bisherigen Magisterstudiengänge in das Bachelor-Master-Modell überführt. Auch die Lehramtsstudiengänge wurden auf eine modulare Studienstruktur umgestellt. Diese Umstellungen brachten für die Studienanfänger ein erhöhtes Maß an Verantwortung mit sich, das sich vor allem in einer wesentlich höheren Verbindlichkeit der Studienorganisation äußert. Der Einzelne muss beispielsweise souverän und kompetent über Prüfungsan- und abmeldung entscheiden. Mit dieser Verantwortung ist ein nicht unerheblicher Teil der Studierenden überfordert, weil zu diesem Zeitpunkt die eigenen Kompetenzen und Möglichkeiten nicht unmittelbar bewusst sind. Das kann bereits am Ende des ersten Semesters zum Studienabbruch aufgrund einer endgültig nicht bestandenen Prüfung führen. Bisher begleitet die Hochschule die Studienanfänger im Übergang zwischen Schule und Studium durch punktuelle Studieneinführungstage zu Beginn des Studiums und anschließend durch institutionalisierte Beratungseinrichtungen in zentraler und dezentraler Anbindung. Das bisher bestehende Beratungsnetzwerk aus Studienfachberatern, Zentraler Studienberatung, dem Studierendenrat und den Fachschaftsräten kann aber nur begrenzt und oft auch erst sehr spät reagieren. Die möglichen Handlungsoptionen sind zu diesem Zeitpunkt häufig schon stark eingeschränkt und es geht mehr um Schadensbegrenzung. Zu früheren Zeitpunkten hätten die Studierenden deutlich mehr Alternativen gehabt, z.B. durch rechtzeitige Prüfungsabmeldung oder Veränderungen in Bezug auf Lern- und Arbeitsweisen, um auf ihre Schwierigkeiten reagieren zu können.
Idee
Aus diesen Gründen soll ergänzend zum bestehenden Angebot ein niederschwelliges Tutorenmodell aufgebaut werden. Bei den Tutoren handelt es sich um Studierende höherer Fachsemester, die selbst erfolgreich studieren. Sie können fachnah und speziell geschult direkt vor Ort agieren und sollen aus studentischer Perspektive Studienanfänger durch das Studium begleiten. Regelmäßige Dokumentation und kontinuierliche Schulung sollen den langfristigen Charakter und die Qualität des Tutorenmodells sichern. Die bewusste Wahl des niederschwelligen Ansatzes setzt insbesondere dort an, wo Studierende bisher davor zurückschrecken, sich an etablierte Beratungsinstitutionen der Hochschule zu wenden, oder wo sie erst spät von diesen Institutionen erfahren.
Ziele
Durch das niederschwellige Angebot sollen individuelle Probleme im Studienverlauf frühzeitig erkannt und gemeinsam mit den betroffenen Studierenden explizite Handlungsstrategien erarbeitet werden. Dabei werden die studentischen Tutoren die Ratsuchenden bei Bedarf an die bestehenden Beratungseinrichtungen der Universität und des Studentenwerkes weitervermitteln. Außerdem können die studentischen Tutoren bei häufiger auftretenden Problemkonstellationen eine generalisierte Rückmeldung über die Probleme der Studienanfänger an die jeweiligen Verantwortlichen geben. Somit wäre es möglich, eigentlich unnötige Fachrichtungswechsel zu vermeiden, da ein erfolgreiches und zielstrebiges Studium auch denen ermöglicht werden kann, die zu Studienbeginn übergangsbedingte Probleme haben. Nicht zuletzt ist ein gut funktionierendes Beratungsnetzwerk in Zusammenarbeit von institutionell organisierter Beratung und studentischen Tutoren ein gutes Aushängeschild für die Universität. Dieses Projekt kann dazu beitragen, dass die Universität dem „Studentenparadies“ ein Stück näher kommt. Es ist sowohl für zukünftige Studierende, als auch in Bezug auf die Alumini-Arbeit der Universität von Interesse, wie stark der Betreuungs- und Netzwerkgedanke schon während des Studiums implementiert ist.
Aufgaben der Tutoren
Die Tutoren werden eine wöchentliche Sprechstunde anbieten, in der sie Ansprechpartner für die Studierenden ihres Fachbereiches sind. Trotzdem sollen sie zeitlich flexibel bleiben, um weniger frequentierte Zeiten (z.B. in der vorlesungsfreien Zeit) mit vermehrtem Einsatz zu Stoßzeiten (z.B. während der Studieneinführungstage, in den ersten Semesterwochen) ausgleichen zu können. Neben dem Angebot der wöchentlichen Sprechstunde sind die Tutoren zum regelmäßigen Austausch, zur Fortbildung und zur Dokumentation ihrer Arbeit verpflichtet (siehe Abschnitt „Schulung und Dokumentation“).
Anforderungen und Auswahl der Tutoren
Die Tutoren sind Studierende höherer Fachsemester im zu vertretenden Fach. Idealerweise sind sie schon in Fragen der Fachschaftsarbeit involviert. Sie haben sich umfangreich mit den Anforderungen und der Organisation des Studiums in ihrem Fachgebiet auseinandergesetzt. Sie sollten mindestens im 3. Fachsemester sein, um die häufig auftretenden Probleme bereits selbst erlebt und erfolgreich bewältigt zu haben. Der Arbeitsvertrag soll eine Laufzeit von 10 Monaten (Oktober - Juli) haben, d.h. eine Kontinuität über zwei Semester ist Bedingung. Daneben müssen die Tutoren aufgeschlossen, offen und kontaktfreudig sein sowie über ein freundliches Auftreten verfügen, da die vertrauensvolle Kommunikation mit den Studierenden den wesentlichen Teil ihrer Arbeit stellt. Die Stellen werden immer im Sommersemester universitätsöffentlich ausgeschrieben. Die Auswahl der Tutoren erfolgt durch die Fachschaftsräte in Zusammenarbeit mit dem Studierendenrat. Die Personalauswahl muss Ende September abgeschlossen sein, damit eine Vorbereitung auf die Tutorentätigkeit möglich ist.
Schulung und Dokumentation
Damit sichergestellt ist, dass die Tutoren auf einem fundierten Wissensstand zu den zu erwartenden Fragestellungen sind, erfolgt eine erste Schulung im Zuge des Mentorentrainings innerhalb der Studieneinführungstage Anfang Oktober. Die Tutoren nehmen dann an den Studieneinführungstagen teil und präsentieren sich dort als zukünftige Ansprechpartner. Daneben soll auch auf den einschlägigen Homepages der Universität, im Starterpaket für die Studienanfänger und im Beratungsführer auf das Tutorenprojekt verwiesen werden. Eine möglichst gute Öffentlichkeitsarbeit soll die später erforderliche Niederschwelligkeit des Angebots bei Problemen sicherstellen und Vertrauen schaffen. Eine nächste Schulung findet im Anschluss an die Studieneinführungstage statt. Dabei sollen die Erfahrungen der Tutoren während der Studieneinführungstage ausgewertet und eventuell entstandene Fragen und Probleme geklärt werden. Des Weiteren sollen die Tutoren nun gezielt auf ihre wöchentliche Tätigkeit als Ansprechpartner vorbereitet werden, die hinsichtlich Arbeitszeitverteilung und auftretender Fragen durch die Tutoren zu dokumentieren ist. Am Anfang des Sommersemesters findet eine weitere Zusammenkunft aller Tutoren mit der Zentralen Studienberatung und dem Studierendenrat zur Auswertung der Arbeit des vergangenen Semesters statt. Hierbei besteht die Möglichkeit, individuell aufgetretene Probleme zu reflektieren und gemeinsam über generelle Probleme und deren Lösung zu diskutieren. Zum Abschluss findet am Ende der Vorlesungszeit des Sommersemesters ein letztes Zusammentreffen statt. Themen sind hier der Rückblick auf die geleistete Arbeit bzw. die Übergabe an die nachfolgenden Tutoren. Es wird angestrebt, dass die Studierenden ihren Mentor mit Hilfe eines Fragebogens evaluieren können.
Beteiligte Fakultäten und Institute
Genannt sind hier Bereiche, die über eine nennenswerte Anzahl an Studierenden verfügen. Bei sehr kleinen Bereichen ist davon auszugehen, dass direkte Kommunikationswege zwischen Lehrenden und Studierenden bestehen, da die Situation im Institut keineswegs anonym ist.
- Theologische Fakultät
- Rechtswissenschaftliche Fakultät
- Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
- Philosophisches Institut
- Historisches Institut
- Germanistische Institute
- Institut für Auslandsgermanistik
- Institut für Altertumswissenschaften
- Institut für Anglistik
- Institut für Slawistik
- Institut für Romanistik
- Bereich Interkulturelle Wirtschaftskommunikation
- Bereich Volkskunde/Kulturgeschichte
- Kunsthistorisches Seminar
- Institut für Psychologie
- Erziehungswissenschaftliche Institute
- Institut für Sportwissenschaft
- Institut für Politikwissenschaft
- Institut für Soziologie
- Institut für Kommunikationswissenschaft
- Mathematische Institute
- Institut für Informatik
- Physikalisch-Astronomische Fakultät – Physik
- Institut für Materialwissenschaft und Werkstofftechnologie
- Chemisch-Geowissenschaftliche Fakultät - Chemie
- Institut für Geowissenschaften
- Institut für Geographie
- Biologisch-Pharmazeutische Fakultät - Biologie
- Institut für Pharmazie
- Institut für Ernährungswissenschaften
- Medizinische Fakultät - Medizin
- Medizinische Fakultät - Zahnmedizin
- Lehramt
Fazit und Ausblick
Als Projektlaufzeit soll vorerst ein Jahr angesetzt werden. Wenn das Projekt gut angenommen wird, ist eine Verstetigung und damit dauerhafte Mittelbereitstellung notwendig. Darüber sollte spätestens nach einem halben Jahr entschieden werden, damit eine Einarbeitung der neuen Tutoren möglich ist. Insgesamt bietet das Projekt – wie gezeigt – gute und wichtige Entwicklungsmöglichkeiten für die Studierenden wie auch für die Universität. Zum einen soll für die Studierenden ein neues, niederschwelliges Beratungsinstrument entwickelt und getestet werden, dass auf die neue Studiensituation in modularisierten Studienangeboten reagiert und das bestehende und gute Angebot der FSU vervollständigt. Damit soll erreicht werden, dass Studierende früher nach Unterstützung und Lösungen für ihre individuellen Probleme suchen. Gleichzeitig wird es ein generalisiertes Feedback der studentischen Tutoren geben können, damit gegebenenfalls auf gehäuft auftretende Probleme reagiert werden kann. Abgesehen davon sind zufriedene und erfolgreiche Studierende die besten Multiplikatoren für den Studienstandort Jena. Dies kann vor den bekannten demographischen Veränderungen der kommenden Jahre nur im Interesse der FSU sein.
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